Newsletter Chinahirn - 9/2020

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Liebe Leser, Ein Bekenntnis vorweg: Ich bin überzeugter Europäer, wünsche mir ein starkes Europa gegenüber China und den USA. Schon als Student engagierte mich 1979 bei der ersten Direktwahl des Europäischen Parlaments, schrieb meine Diplomarbeit über die EG, wie die EU damals noch hieß. Spätestens nach meinen drei Jahren als Korrespondent in Brüssel Ende der 80er Jahre wurde ich vollends zum Pro-Europäer.

Es war damals auch eine sehr europhorische Zeit: Der Binnenmarkt stand unter einem starken Kommissionschef Jacques Delors kurz vor seiner Vollendung. Die ersten Weichen für die gemeinsame Währung wurden gestellt. Die EU hatte überschaubare 12 Mitgliedsländer. Nur Maggie Thatcher nervte: „I will my money back.“ Doch dann kam 1989. Der Mauerfall, die Wende. Der Osten drängte in den Westklub und wurde sukzessiv aufgenommen. Jetzt hat die EU 27 Mitgliedsländer und ist ein ziemlich heterogenes Gebilde. Das zeigt sich auch im Verhältnis zu China. Die EU hat gegenüber der aufstrebenden Weltmacht keine einheitliche Linie. Zu unterschiedlich sind die Interessen: Einige osteuropäische Länder erhoffen sich Investitionen, einige Südländer haben sie schon bekommen, Deutschland und Frankreich schielen auf den großen chinesischen Absatzmarkt für ihre Unternehmen, Schweden fährt aufgrund diverser Vorkommnisse einen scharfen Anti-China-Kurs. Die EU ist, was China anbetrifft, gespalten. Es ist müßig darüber zu diskutieren, wer die EU spaltet. Ist es China (mit seinen 17+1-Gesprächen), ist es die USA (siehe die jüngste Reise von Außenminister Pompeo) oder ist es die EU gar selbst, weil sie gewisse Länder in deren Augen stiefmütterlich behandelt. Wie also angesichts dieser europäischen Kakophonie mit China umgehen? Wenn man nicht mit einer Stimme sprechen kann, dann eben mit mehreren. Das Einstimmigkeitsprinzip in der Außenpolitik ist obsolet. Was in anderen Bereichen – Schengen und Euro – schon praktiziert wird, sollte man auch in der Außenpolitik anwenden: Ein Europa mit zwei oder mehreren Geschwindigkeiten. Oder – wie es einst Außenminister Joschka Fischer bei seiner berühmten Rede vor der Humboldt Universität im Mai 2000 nannte – „eine Koalition der Willigen“ bilden.  
 
In eigener Sache: Auch ein Hirn ist nicht fehlerfrei. Deshalb gibt es ab jetzt am Ende des Newsletters die kleine Rubrik CHINAHIRNlos, in der ich die Fehler der vergangenen Ausgabe(n) korrigiere. Sollte diese Rubrik irgendwann nicht mehr erscheinen, habe ich den Zustand der Unfehlbarkeit erreicht. 

Wolfgang Hirn

 

Mehr dazu auf: www.chinahirn.de

Die ADCG e.V.

Die ADCG e.V. ist die Dachorganisation Deutsch-Chinesischer Gesellschaften in der Bundesrepublik Deutschland für China auf allen Ebenen, insbesondere in den Bereichen Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft, Jugend und Sport.

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E-Mail: info@deutsche-china-AG.de

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